Internationale Expertentagung zum Klimawandel: “Adapting for tomorrow”

Im Rahmen einer internationalen Expertentagung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit  (FNF) wurden unter der Überschrift „Adapting for Tomorrow! Opportunities and Risks of Climate-Resilient Growth“ Anpassungsstrategien zum Klimawandel diskutiert. Auf Einladung der Alliance of Liberals and Democrats for Europe (ALDE) fand diese im Ausschuss der Regionen (CoR) in Brüssel statt. Paula Baker, Vize-Koordinatorin der ALDE-Kommission für Klimawandel, Umwelt und Energie im CoR, und Wolf-Dieter Zumpfort, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der FNF hießen die Teilnehmer und Referenten herzlich willkommen und betonten die Zielsetzung: Ein Austausch über die Grenzen hinweg, mit praktischen handhabbareren best pratice-Beispielen aus Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern.

Sir Graham Watson, Präsident der Europäischen Liberalen Demokratischen Reformpartei hatte bereits am Vorabend der Konferenz einen effizienten Umgang mit natürlichen Rohstoffen sowie ein größeres Energiebewusstsein angemahnt und an die Verantwortung des Einzelnen appelliert. So müssten z.B. Eltern ihren Kindern von Beginn an zum Energiesparen bewegen: PC ausschalten statt Stand by-Betrieb. Aber könnte es nicht noch effizienter sein, wenn die Hersteller noch energieeffizientere Geräte entwickelten, statt mühselige Diskussionen in der Familie zu führen?

Julian Morris, Reason Foundation, hob in seinem Eröffnungsreferat die Bedeutung von Wirtschaftswachstum für eine nachhaltige Entwicklung hervor. Wachstumsstrategien könnten, auch wenn sie einen hohen Energieeinsatz erforderten und damit vordergründig klimafeindlich seien, Armuts- und Gesundheitsrisiken, Probleme der Nahrungsmittel- und Wasserversorgung und vieles mehr am effizientesten beseitigen. Die Behinderung dieses Wachstums durch spezielle, auf den Klimaschutz entwickelte,  Instrumente schränke eine Wohlstandsmehrung ein und rufe oftmals eher klimaschädliche Maßnahmen hervor. Dabei gehe es doch darum, die Not in Entwicklungsländern zu lindern. Daher empfahl Morris, direkt auf Wachstum zu setzen.

Paul Reiter vom Pasteur Institut in Paris räumte mit der These auf, dass die Krankheiten verbreitende  Malaria-Mücke sich aufgrund des Klimawandels ausbreite und so zu einer zunehmenden Gefahr für die Menschheit werde. Ihre Verbreitung wie auch die vieler anderer Krankheitserreger sei Folge des globalen Handels und neuer Transportmöglichkeiten.

Gullög Nordquist, Expertin auf dem Gebiet der Archäologie von der Universität Uppsala, brachte mit einem einfachen Bespiel historische Anpassungsstrategien auf den Punkt: die Nadel und das Feuer seien bedeutende Innovationen gewesen, mit denen sich die Menschen an geänderte klimatische Bedingungen angepasst hätten. Solche Innovationen als Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen fänden sich zuhauf in der Menschheitsgeschichte.

Naturwissenschaftliche Forschungsansätze wurden, sektoral breit, theoretisch und praxisorientiert von den Experten Pier Vellinga (Universität Wageningen/Free University of Amsterdam), Oliver Blank  (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie), Frank Raes (Institut für Nachhaltigkeit und Umwelt der Europäischen Kommission, Ispra) und Konar Mutafoğlu (Kreditanstalt für Wiederaufbau) erläutert. Beispiele, wie heute Dämme besser errichtet und Böden effektiver genutzt werden könnten oder wie moderne Häuser schwimmen lernen, kamen zahlreich vom Pier Vellinga aus den Niederlanden. Er kommentierte mit leichter Ironie: „Im Falle einer Überflutung Deutschlands, würden die Grenzen der Niederlande aber gesichert sein.“ Die Niederlände bereiteten sich mit Hochdruck auf einen steigenden Meeresspiegel vor, um im Notfall gerüstet zu sein und schnell reagieren zu können. Oliver Blank, Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie, schilderte die technischen Möglichkeiten, um nachhaltige Energie- und Wasserversorgungen aufzubauen. Jedoch: Wie realistisch können umweltfreundliche Städte, wie beispielsweise Abu Dhabis grüne Mazda City, sein? Debattiert wurde auch die Sorge um den Rohstoff Wasser und dessen Qualitätsgarantie – vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Raes betonte, es gebe keinen Widerspruch zwischen Klimaschutz und nachhaltigem Wachstum. Vielmehr könnten vorbeugende, CO2-reduzierende Investitionen Entwicklungsschübe auslösen und Wachstum fördern.

Regionale Perspektiven und Strategien beleuchteten  Rob Swart aus den Niederlanden, Carlos Muñoz Piña aus Mexiko und Arianto A. Patunru aus Indonesien. Während in Europa derzeit nach überregionalen, sprich nicht-nationalen, Strategien gesucht werde (Rob Swart), kläre sich die Frage in Indonesien leichter: Die Bekämpfung des Klimawandel sei zwar wichtig, so der Professor aus Jakarta, sei aber nicht der einzige Brennpunkt im wirtschaftlich aufstrebenden Archipel Asiens: „Being green is costly“.

Der Mexikaner Muñoz Piña wurde praktisch: Die Subventionierung der Strompreise für Landwirte in Mexiko habe zu einem großen Problem bei der Wassernutzung  und –bevorratung geführt. Zahlreiche illegale Wasserpumpen seien im Einsatz und hätten die knappe Ressource Wasser vergeudet. Durch eine Beendigung der Subventionierung, Einführung von Marktpreisen und der Wiederherstellung von Eigentumsrechten (legale Wasserpumpen) sei der Energieverbrauch zurückgegangen und das Wasser effizient eingesetzt worden. Die Beseitigung der Marktverzerrung und Klärung der Eigentumsrechte hätten also umwelt- und klimafreundliche Konsequenzen gehabt. Die Klärung und Vorstellung finanzieller Konzepte zur Umsetzung von Anpassungsstrategien in Schwellen- und Entwicklungsländern durch Axel Michaelowa, Universität Zürich, stießen ebenfalls auf großes Interesse.

In der abschließende Podiumsdiskussion wurden gemeinsame Ansätze erläutert  und zusammengefasst. Humberto Delegado Rosa, Generaldirektion Climate Action der Europäischen Kommission, mahnte zur schnellen Reaktion. Anpassungsstrategien und die Reduktion von klimaschädlichen Treibhausgasen müssten Hand in Hand gehen. Paula Baker erläuterte, welchen Beitrag Kommunen und Regionen hierbei leisten könnten. Nana Künkel, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, sprach sich dafür aus, die „Anpassung an den Klimawandel als Geschäftsmodell“ zu nutzen.  Sandeep Chamling Rai, World Wildlife Fund Singapur, berichtete schließlich von den Naturkatastrophen in seinem Heimatland Nepal. Hier sei noch viel Nachholbedarf, der nur gemeinsam mit den Industrieländern gemeistert werden könnte. Fazit: Die beste Strategie heißt: Chancen nutzen, Innovationen vorantreiben, Ressourcen schonen.

Die Konferenz wurde live im Internet übertragen, folgen Sie dem Link zum Video hier.

Nina Lutterjohann