Super Tuesday – rien ne va plus in den amerikanischen Vorwahlen?

Alle vier Jahre wieder wird das Wahljahr in den USA durch die Primaries (Vorwahlen) eingeleitet. Sie dienen dazu, festzustellen, welche Kandidaten innerhalb einer Partei am populärsten sind, um im anschließenden Präsidentschaftswahlkampf zu kandidieren. Anders als in Deutschland entscheiden in den Staaten nämlich die Parteimitglieder, wer von ihrer Partei für das höchste Amt im Staat antreten soll. Der Höhepunkt der Primaries ist der so genannte Super Tuesday, der am 6. März 2012, die Medien und die politische Welt in Atem gehalten hat. Dieses Jahr haben an jenem Dienstag in zehn Bundesstaaten Vorwahlen stattgefunden. Wird es auch in diesem Wahljahr so sein, dass der Sieger des Super Tuesday im November gegen den Amtsinhaber Barack Obama antreten wird?

Das Jahr 2012 stellt augenscheinlich eine Ausnahme jeglicher Regeln dar. Zum einen liege dies daran, dass die Vorwahlen sich einfach immer länger hinzögen, so der Journalist Brian M. Carney. So seien im Vorwahlkampf 2008 bereits am 7. März 80 Prozent der republikanischen und 70 Prozent der demokratischen Wahlmännerstimmen vergeben gewesen – dieses Jahr seien es nicht einmal die Hälfte. Carney bezweifelte aber, dass es an der Schwäche der republikanischen Kandidaten liege, wie es böse Zungen immer wieder behaupten, dass sich bisher noch kein klarer Favorit etabliert habe. In den 80er Jahren habe zu diesem Zeitpunkt auch niemand geglaubt, dass der Schauspieler Reagan es jemals schaffen würde, sich als ernstzunehmender Präsidentschaftskandidat durchzusetzen.

Brian M. Carney, Daniel Schwammenthal und Peter H. ChaseTrotzdem könnten bereits einige Schlüsse aus den Ergebnissen des Super Tuesday gezogen werden: So gewann Newt Gingrich nur die Vorwahlen in seinem „home state“ Georgia, während Rick Santorum überraschenderweise drei Staaten für sich entschied. Mitt Romney nahm immerhin die Hälfte der zur Wahl stehenden Stimmen mit nach Hause. Dies sei nicht weiter überraschend, meinte Peter Chase: „Romney won what he needed to win, Santorum what he could.“ Demnach sei es auch nicht unwahrscheinlich, dass Santorum die in den nächsten Tagen stattfindenden Vorwahlen für sich entscheiden werde. Diese fänden nämlich in den konservativeren und religiöseren Bundesstaaten statt. Romneys Wahlkampfteam hingegen werde darauf hoffen, dass ihm die sechs Super Tuesday-Gewinne genug Impetus gaben bis gegen Ende der Vorwahlperiode die wohlhabenden, urbanen Küstenstaaten an die Urnen treten. Dort ist Romneys politische Basis verwurzelt.

Und Präsident Obama? Der Amtsinhaber wird wohl darauf hoffen, dass die religiöse Rechte die Aufstellung Romneys als Präsidentschaftskandidat zu verhindern weiß. Romney ist laut Expertenmeinung der Kandidat aus den Reihen der Republikaner, der Obamas Wiederwahl am gefährlichsten werden könnte. Anders als während des Wahlkampfes 2008 wird Obama demnach besonders um Stimmen aus dem weißen Mittelstand kämpfen müssen. Auch sein Wahlversprechen, ein überparteilicher Kandidat zu sein, ist an einem parteilich gespaltenen Kongress gescheitert, was um ein Haar zur Zahlungsunfähigkeit der USA geführt hatte.

Diese Veranstaltung aus der Reihe Transatlantic Dialogue Luncheons fand in Zusammenarbeit mit dem Transatlantic Institute of the American Jewish Committee (TAI) statt. Leiter Daniel Schwammenthal moderierte die Diskussionsrunde und resümierte: Zumindest die Wirtschaft befinde sich jetzt wieder auf dem Aufschwung. Die Arbeitslosenzahlen seien erst kürzlich wieder unter die neun Prozent-Marke gefallen. Ob dies für eine Wiederwahl Obamas reiche, sei ungewiss.

Susan Schneider