Die Türkei, starker Partner der EU?

IMG_2287__bearbeitet-1Die Türkei ist ein wichtiger Partner der Europäischen Union und spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle im Transformations-prozess seiner Nachbarstaaten im Nahen Osten. Will sie eigentlich noch Mitglied der EU werden und wie steht die EU dazu? Welche Rolle genau spielt die Türkei in der Region und wie wird diese vonseiten der EU eingeschätzt? Eine Delegation türkischer Journalisten, Akademiker und Mitarbeiter des türkischen Thinktanks TESEV (Türkische Stiftung für Wirtschafts- und Gesellschaftsstudien) ging in Brüssel diesen Fragen nach.

Passgenau fiel diese Delegationsreise in eine Woche, an deren Beginn ein Treffen des EU-Turkey Association Council stand, bei dem die Bedeutung einer Intensivierung der Beziehungen zwischen EU und der Türkei betont wurde. Am Ende der Woche begannen allerdings auch die Proteste in Istanbul, deren Niederschlagung einmal mehr deutlich machte, warum ein möglicher EU-Beitritt der Türkei noch in weiter Ferne liegt.

IMG_2304_Im Spannungsfeld sehr unterschiedlicher Interessen und nicht immer vereinbarer Agenden war ein Austausch mit Vertretern des Europäischen Auswärtigen Dienstes, der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments, aber auch der Brüsseler Thinktanks European Policy Centre (EPC) und European Centre for International Political Economy (ECIPE) für die Delegationsteilnehmer besonders gewinnbringend und aufschlussreich. So erhielten sie zum einen aus erster Hand eine ausgewogene Einschätzung der Beziehungen der Türkei zu den verschiedenen Ländern in der Region: Israel, Iran, Irak und vor allem Syrien. Besonders die türkischen Bemühungen im Bereich der humanitären Hilfe für syrische Flüchtlinge wurden von mehreren Seiten sehr gelobt. Zum anderen hatte die Delegation die Möglichkeit, ihre Sorgen in Bezug auf die Wahrnehmung der Türkei durch die EU und die schwierigen Beitrittsverhandlungen zu diskutieren.

Ebenfalls im Rahmen des Informationsprogramms fand eine öffentliche Veranstaltung mit Alexander Graf Lambsdorff MdEP statt, bei der Gökce Percinoglu, Projektkoordinatorin Außenpolitik, TESEVs aktuelle, jährlich erscheinende Studie zur Wahrnehmung der Türkei im Nahen Osten vorstellte. Aus dieser geht erneut hervor, dass die Türkei im Nahen Osten und Nordafrika ein hohes Ansehen genießt. Sowohl Graf Lambsdorff, als auch Percinoglu sahen eine starke Zukunft für das Land voraus, sofern es der Türkei gelinge, sich auf eine einheitliche Linie bezüglich der EU zu einigen und Probleme wie Menschenrechtsverletzungen, die Einbindung der kurdischen Minderheit und die Konfliktherde Armenien und Zypern anzugehen.

IMG_2305Ein Gespräch mit dem türkischen Botschafter Selim Yenel und dem Brüssel-Korrespondenten der türkischen Tageszeitung Zaman Selcuk Gültasli rundeten den Besuch ab.

Einen Artikel zur öffentlichen Veranstaltung und dem Delegationsprogramm von einer der Teilnehmerinnen finden Sie hier.

Christina Brunnenkamp