Klimaschutz und erneuerbare Energien aus der Nähe betrachtet

KOMIn Europa steht das Thema Energie schon längere Zeit ganz oben auf der Agenda, nicht zuletzt wegen der ehrgeizigen Klimaziele, die sich die EU-Mitgliedsstaaten 2007 gesetzt haben: Bis zum Jahr 2020 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 20% reduziert, der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix auf 20% erhöht und die Energieeffizienz um 20% verbessert werden. Sind diese Ziele realistisch? Wie sollen diese Ziele erreicht werden? Sollten andere Länder dieses Modell nachahmen oder wie ließe es sich anderen geographischen Gegebenheiten anpassen? Zum Austausch über diese Fragen kam eine Delegation lateinamerikanischer Politiker und Vertreter von Think Tankvertreter aus Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Mexiko, Guatemala und der Dominikanischen Republik nach Brüssel.

Nun sind nicht nur die EU-Länder dabei, an ihrem Energiemix zugunsten erneuerbarer Energien zu schlüsseln, sondern auch viele lateinamerikanische Staaten. Manche sind sogar schon weiter als die EU und sehen sich mit ähnlichen oder auch neuen Problemen konfrontiert. Costa Rica ist beispielsweise schon seit Jahren führend in der Nutzung erneuerbarer Energie, bezieht es doch 99% seiner Energie aus Geothermie, Wasserkraft und Windenergie und plant in 2021 kohlenstoffneutral zu sein. Ganz anders Mexiko und Argentinien, die bei der Nutzung erneuerbarer Energien noch relativ am Anfang stehen, weil das politische Umfeld ungünstig ist, obwohl die Länder enormes Potential besitzen. Die Ausgangspunkte waren also sehr verschieden, aber das Interesse dasselbe: Wie können wir unsere Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen sicherstellen und gleichzeitig zum Klimaschutz beitragen?

CANIn Brüssel trafen sie zu Gesprächen mit Vertretern des Europäischen Auswärtigen Dienstes, der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments, aber auch der Brüsseler Think Tanks European Center for Development Policy Management (ECDPM) und Climate Action Network zusammen. Dabei wurden viele verschiedene Themengebiete angeschnitten: Von der Post-2015-Agenda und dem Beitrag der Zivilgesellschaft zu den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN über die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Förderung erneuerbarer Energien bis hin zum gesellschaftlichen Gesinnungswandel, der die nötige Vorbedingung für Energieeinsparungen im privaten Bereich ist.

KauchIm Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung stellten die Delegationsteilnehmer aus Costa Rica, Mexico und Brasilien den Status Quo der Energiepolitik in ihrem jeweiligen Land vor und erörterten, inwiefern eine Zusammenarbeit mit Europa bereits besteht oder wünschenswert wäre. Die Diskussion wurde eröffnet durch Michael Kauch MdB, umweltpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und Präsident von Globe Europe (Global Legislators Organisation for a Balanced Environment). Er gab einen Einblick in die Arbeit der Organisation und warb für den aktiven Einsatz für nachhaltige Entwicklung und wirtschaftlich sinnvolle Nutzung alternativer Energie.

GWNach einem intensiven Programm waren zwar viele Fragen beantwortet, aber mindetens ebenso viele neue wurden aufgeworfen. Die Delegationsteilnehmer kehrten mit vielen neuen Ideen und Eindrücken nach Hause zurück.

Christina Brunnenkamp