Wenig grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Energiepolitik in Lateinamerika

KauchLateinamerika verfügt über ein enormes Energiepotenzial, sowohl aus erneuerbaren, als auch aus fossilen Quellen. Dennoch fällt es vielen Ländern schwer, die Energieversorgung sicher zu stellen. Die wirtschaftlichen Vorzüge einer regionalen Kooperation liegen auf der Hand, aber die Hürden scheinen unüberwindlich. Viele Energiequellen bleiben unerschlossen, obwohl die Energiepreise in der Region immer weiter steigen. Stiftungspartner aus Costa Rica, Mexiko und Brasilien gaben im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in Brüssel einen Einblick in die energiepolitische Lage in ihren jeweiligen Ländern.

In seiner Einleitung empfahl Michael Kauch MdB, der umweltpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion und Präsident von Globe Europe (Global Legislators Organisation for a Balanced Environment), die Fehler der EU nicht zu wiederholen. Energiepolitik müsse zwar eine nationale Zuständigkeit bleiben, aber es müsse grenzüberschreitend gedacht werden. Der EU-Emissionshandel beispielsweise böte sich nur bedingt zur Nachahmung an.

AlfaroVorreiter im Einsatz erneuerbarer Energien ist Costa Rica. Es bezieht schon seit Jahren seine Energie aus Geothermie, Wasserkraft und Windenergie und strebt an, in 2021 kohlenstoffneutral zu sein. Mariélos Alfaro, costaricanische Parlamentsabgeordnete, erläuterte, wie Costa Rica seinen steigenden Energiebedarf auch in Zukunft mit dem Ausbau seiner erneuerbaren Energien decken wird. Der Schwerpunkt wird weiterhin auf bewährten Quellen liegen.

GallegosGanz anders sehe es in Mexiko aus, beschrieb Rodrigo Gallegos, Leiter der Abteilung für Klimawandel und –technologie des Thinktanks Instituto Mexicano de la Competitividad. Mexiko verfüge zwar aller Wahrscheinlichkeit nach über große Vorkommen fossiler Brennstoffe, deren Umfang sei aber unbekannt. Es könne zudem problemlos seinen Energiebedarf aus Sonnen- und Windenergie decken, aber es fehle an politischem Willen und entsprechend noch weitgehend an der nötigen Infrastruktur. Derzeit setze die Regierung auf private Investitionen, z.B. durch große Unternehmen oder auch Privatpersonen, die sich Solarzellen aufs Dach des Eigenheims legten. In nicht allzu ferner Zukunft sei der Bau eines großen Solarparks geplant. Der Anteil an erneuerbaren Energien solle bis 2030 auf 30% und bis 2050 auf 50% ausgeweitet werden.

LianIn Südamerika kommt Brasilien wegen seiner Lage und seiner Größe eine besondere Rolle auch in der Energiepolitik zu. In den 1990er Jahren wurden große Investitionen in die Strom- und Gasnetze aus den umliegenden Ländern vorgenommen, nicht zuletzt, weil Brasilien große Vorkommen fossiler Brennstoffe hat. Diese Netze bleiben seitdem aber aus politischen Gründen weitgehend ungenutzt. In der Zwischenzeit sei der Energiebedarf des Landes um ein Vielfaches gestiegen, berichtet Henrique Lian, Leiter institutionelle Angelegenheiten des Think Tanks Ethos. Wiederholte großflächige Stromausfälle hätten zur Folge, dass die Bevölkerung verstärkt die Nutzung der im Land ausreichend vorhandenen fossilen Brennstoffe fordere. Dies führe wiederum zu einer Verunsicherung potentieller Investoren. Hauptenergiequelle bleibe aber die Wasserkraft, die 83% der brasilianischen Energieproduktion ausmache. Zudem sei Brasilien führend in der Herstellung und Nutzung von Bioethanol.

Drei Länder, drei Energiemixe, drei Problematiken. Zwar wurde deutlich, dass sich die Herangehensweise an die Energiepolitik von Land zu Land deutlich unterscheidet, aber dass alle drei vorgestellten Länder sich in mehr oder weniger großem Maße der Deckung des nationalen Energiebedarfs mit erneuerbaren Energien verschrieben haben und bei der Weiterentwicklung aktueller Technologien durchaus an einer verstärkten Kooperation mit Europa interessiert sind.

Christina Brunnenkamp