“Erst Demokratie, dann Liberalismus”

Europäisch-Arabischer Dialog in Brüssel

IMG_1404Hala Mostafa im Gespräch mit Ronald Meinardus Von Aufbruchstimmung ist wenig geblieben. Wo einst der „arabische Frühling“ gefeiert wurde, herrscht Katerstimmung – ja, selbst von einem „arabischen Winter“ ist die Rede angesichts der schlimmen Nachrichten, von Gewalt und Gegengewalt. Bei all dem ist wichtig, dass der politische Dialog zwischen Europa und der südlichen Nachbarregion nicht abreißt. Das Projekt „Bridging the Gap“ – was frei als „Überbrücken des Grabens“ zu übersetzen wäre – hat dieses Ziel. In Kairo initiierte die Stiftung einen systematischen Dialog europäischer und arabischer Liberaler. Ein greifbares Ergebnis dieses Projektes wurde nun in Brüssel einer interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Im Mai des vergangenen Jahres war Kairo der Schauplatz einer größeren internationalen Konferenz. Auf Einladung des Regionalbüros Mittelmeerländer und mit tatkräftiger Unterstützung des European Liberal Forum (ELF) versammelten sich über einhundert liberale Persönlichkeiten – Politiker, Publizisten und Wissenschaftler – zu einer Dialogveranstaltung, auf der es um die Gemeinsamkeiten, und die Differenzen zwischen Liberalen auf beiden Seiten des Mittelmeers ging. Die wichtigsten Papiere des bisweilen tiefsinnigen Diskurses am Fuße der Pyramiden sind inzwischen in englischer und arabischer Sprache publiziert. Nun ging es darum, das Projekt und das Buch in Brüssel zu präsentieren und zu diesem Zweck waren zwei der Protagonisten – die ägyptische Kolumnistin Hala Mostafa und der griechische Philosophie-Professor Aristidis Hatzis – angereist. Zusammen mit Ronald Meinardus, dem Leiter des Regionalbüros der Stiftung in Kairo und Herausgeber des Bandes, diskutierten sie zum Thema „Europa und die Demokratie in der arabischen Welt.“

Langer Weg zur Freiheit

Liberales griechisch-deutsch-ägyptisches Panel Bei seiner Einführung wurde Hans Stein, der Leiter des gastgebenden Brüsseler Stiftungsbüros, grundsätzlich: „Vorgänge wie die in Ägypten führen uns schmerzlich vor Augen, dass Freiheit immer wieder aufs Neue verteidigt werden muss.“ Was das für die Menschen, vor allem aber die liberalen Kräfte in der arabischen Welt bedeutet, war ein zentraler Diskussionspunkt. Dabei wurde deutlich, dass den arabischen Menschen ein langer Weg bevorsteht, ehe sich Freiheit und Demokratie – wie wir sie in den meisten Teilen Europas kennen – etabliert haben. Nicht ohne Emotion verwies die Ägypterin Mostafa auf das anti-liberale Vorgehen der Islamisten in ihrem Land, wo ein vom Militär gestützter Volksaufstand im vergangenen Sommer das Ende der Herrschaft der Muslimbruderschaft besiegelte. „Wenn ich die Wahl habe zwischen politischen Freiheitsrechten und meiner ganz persönlichen Freiheit, dann entscheide ich mich für letztere“, sagte die Journalistin auf die Frage, wie die Liberalen in ihrem Land zu den Menschenrechtsverletzungen der vom Militär getragenen Regierung stehen.

IMG_1396Interessiertes Publikum im Stiftungsbüro Bei seinen Betrachtungen verwies Prof. Hatzis auch auf die Erfahrungen Griechenlands, dessen Demokratiegeschichte eine andere ist als die westeuropäischer Nationen. Die Erfahrung lehre, dass Liberalismus erst gedeihen könne, wenn stabile demokratische Verhältnisse etabliert sind, mahnte der Intellektuelle aus Hellas. Daher gehe oft viel Zeit ins Land, ehe eine Gesellschaft den Reifegrad für eine liberale Ordnung erreicht hat. Die arabische Welt stehe da noch an den Anfängen, so Hatzis. Hoffnung mache ihm allerdings die junge Generation, die offener sei für liberales Gedankengut und dieses über die modernen Medien auch massenwirksam kommunizieren könne.

Die Brüsseler Diskussionsveranstaltung reiht sich ein in eine Maßnahmenkette der Stiftung für die Freiheit zum arabisch-europäischen liberalen Dialog. Demnächst soll das Buch in Athen vorgestellt werden und für Mai ist – abermals in Kairo – eine zweite größere Konferenz geplant. Dabei soll es dann um die Rolle liberaler politischer Parteien gehen. Erneut wird die Stiftung auf die Zusammenarbeit mit dem European Liberal Forum vertrauen.

Pictures: FNF-Europe