Kampf gegen Lebensmittelverschwendung – eine Frage der Ethik und Effizienz

IMG_572911 Millionen Tonnen Nahrungsmittel werden in Deutschland jährlich verschwendet, davon 40% in Industrie, Handel und Gastronomie, und 60% in den Haushalten. Durchschnittlich bedeutet dies eine jährliche Lebensmittelverschwendung von über 80 kg pro Bürger. Die Verschwendung von Lebensmitteln stellt ein ethisches, wirtschaftliches und soziales Problem dar mit enormen Auswirkungen auf die Umwelt.

Die erschreckend große Menge an vernichteten Lebensmitteln zwingt alle Teilnehmer entlang der Lebensmittelkette zum Umdenken und zur Entwicklung von geeigneten Strategien für einen nachhaltigeren Umgang mit Nahrungsmitteln. Bei einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit erklärte Werner Koch vom Bundesverband der Obst-, Gemüse- und Kartoffelverarbeitenden Industrie – BOGK, Lebensmittelverschwendung sei größtenteils veIMG_5744rmeidbar; jeder von uns könne einen Beitrag dazu leisten. Er erklärte, wie Verbraucher durch Planung und bessere Lagerung Lebensmittelverschwendung in den Haushalten bereits stark reduzieren könnten. Die liberale Europaabgeordnete Gesine Meissner stimmte ihm zu: „wir können als Verbraucher alle einen Beitrag leisten.“ Dazu müssten wir nur umdenken und das Augenmerk auf Erziehung und Aufklärung richten und dies bereits im Kindergarten. Um eine nachhaltige Nutzung von Lebensmitteln unter Verbrauchern zu fördern wird ein Mix von Aufklärung, intelligenten Anreizsystemen und Sensibilisierungskampagnen notwendig sein. Dabei soll immer die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger und nicht deren Bevormundung im Vordergrund stehen.

IMG_5695Nebst Verbraucher wurden auch die Produzenten und der Handel dazu aufgefordert mehr gegen Lebensmittelverschwendung zu tun. Durch die Optimierung von Produktions-, Distributions- und Verpackungstechniken tragen diese zwar zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung bei, aber auch hier sei ein Umdenken notwendig. Hermann Grupe, Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung im niedersächsischen Landtag, rief zu einer weiteren Vervielfältigung des Angebots auf, sowohl in der Produktion, als auch im Handel. Schließlich seien die Haushalte heute vielfältiger als früher, daran solle man sich anpassen. Der Handel habe bereits in den letzten Jahren zunehmend auf diese Situation reagiert und sowohl die Verpackungen, wie auch die Anlieferung von Produkten optimiert, meinte darauf Miriam Schneider vom Bundesverband Lebensmitteleinzelhandel – BVLH.

IMG_5668Unsere Referentinnen und Referenten hatten auch interessante Vorschläge, wie die EU zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung beitragen könne. Werner Koch rief die Europäische Kommission auf ein europäisches Jahr gegen die Lebensmittelverschwendung zu verkünden. Hierdurch würde die Aufmerksamkeit von Produzenten, NGOs und dem Handel für dieses Thema steigen und wiederum den Verbraucher sensibilisieren. Gesine Meissner und Miriam Schneider unterstrichen die Rolle der EU als Plattform für den Austausch von Best Practices im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung in den verschiedenen EU-Mitgliedsstaaten. Frau Schneider erklärte auch, dass es auf EU Ebene noch keine Richtlinie zu diesem Thema gibt. Die Position der EU bleibe weiterhin offen, da die Mitteilung der Europäischen Kommission zur Kreislaufwirtschaft zurückgezogen wurde und erste Ende 2015 ein neuer Vorschlag erwartet wird. Dabei blieb die prinzipielle Frage, ob die EU in diesem Bereich zu handeln habe weitgehend unbeantwortet. Hans Stein, Leiter des Europäischen und Transatlantischen Dialogs der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, warnte vor möglichen Reaktionen aus den Mitgliedsstaaten und einigen Medien, die der EU vorwerfen würden, sie bestimme sogar den Inhalt unseres Kühlschranks.

Julie Cantalou

Photo credits: FNF Europe