„Wir können nicht alle Mykonos sein!“ – die schwierige Suche nach touristischer Identität

IMG_8561aAuch wenn der Tourismus allein Griechenland nicht wird retten können, so trägt er unzweifelhaft einen erheblichen Teil zum Genesungsprozess der griechischen Wirtschaft bei. Aus diesem Grund hatte sich die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) gemeinsam mit der Deutsch-Griechischen Versammlung (DGV) entschieden, zu einem Expertengespräch zum Thema „Tourismusentwicklung in Gemeinden und Regionen: vom lokalen Netzwerk zur Destination“ einzuladen, dem rund 150 größtenteils griechische Bürgermeister beiwohnten.

Nach einer Einführung durch Tourismusforscher Prof. Thomas Bausch, der die wechselseitige Abhängigkeit von Kommunen und lokalen Unternehmern insbesondere im Tourismussektor hervorhob und eine von öffentlicher und privater Hand gemeinsam betriebene regionale Produktentwicklung empfahl, gaben Yiannis Boutaris, Oberbürgermeister von Thessaloniki, und Günter Ihlau, anerkannter Griechenlandexperte und Mitglied des DRV-Ausschusses IMG_8570aAuslandstourismus, einige ihrer Erfolgsgeheimnisse preis. Wiederholt zeigte sich, wie wichtig die beiden Faktoren „Identität“ und „Authentizität“ bei der Konzeption und Vermarktung einer touristischen „Marke“ sind.

Es sei oftmals schwer für Kommunen, bei prestigeträchtigen Tourismusprojekten „loszulassen“ und Unternehmern die Ausgestaltung der Angebote zu überlassen. Dennoch sei die Kommune am besten beraten, sich in Sinne einer „Public-Private-Partnership“ (PPP) auf eine thematische Lenkungsfunktion zu beschränken, die die Entwicklung von touristischen Themen und Produkten zwar positiv begleitet, die Ausgestaltung jedoch regionalen Unternehmern überlässt. Hier seien Beratung und ein Best-Practice-Austausch von fundamentaler Bedeutung, um sowohl für die Gemeinde als auch die Unternehmerschaft bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Im Laufe der Diskussion wurde deutlich, wie wichtig es gerade für einzelne Kommunen ist, ihre Angebote komplementär zusammenzufassen und regionales „Crossmarketing“ zu betreiben. Umliegende Gemeinden mit ähnlichen Angebotspaletten dürften nicht länger als Kontrahenten, sondern als Partner gesehen werden, mit denen zusammen die regionale Identität geschärft werden müsse. Letztlich profitierten von Crossmarketing alle beteiligten Kommunen, da die Destination an sich gestärkt werde.

5. Deutsche-Griechische Versammlung
5. Deutsch-Griechische Versammlung in Berlin, 06.11.15.

Letztlich waren sich sämtliche Teilnehmer einig, dass das einzig gangbare Weg, einen Standort touristisch aufzuwerten, der Aufbau einer Marke („Branding“) und deren beständige Konturierung ist. Da dies eine Kommune allein kaum leisten kann, seien Zusammenschlüsse notwendig, um gemeinsam „an einem Strang“ für das Branding der Destination zu arbeiten.

Markus Kaiser, Project Manager Greece
Fotos: FNF-Greece & DGV