Wachstum für Griechenland – Vom Mentalitäts- zum Strukturwandel

Unter Teilnahme hochrangiger Gäste hat der stellvertretende Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Karl-Heinz Paqué, am Montag in Athen eine Reformagenda für mehr Wachstum in Griechenland vorgestellt.

FPG_9645Das Wachstumspapier wurde von dem an der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität lehrenden Paqué gemeinsam mit dem griechischen Ökonomen Aristos Doxiadis entwickelt und benennt die zehn wichtigsten ökonomischen Stellschrauben für mehr Wirtschaftswachstum in dem krisengeschüttelten EU-Mitgliedstaat. Zudem verlangt es von griechischen Meinungsbildnern und Entscheidungsträgern, eine neue Geisteshaltung zu verinnerlichen und vorzuleben, damit notwendige Reformen mittelfristig auch von der griechischen Bevölkerung mitgetragen werden.

„Für uns alle ist es am besten, ein gesundes Griechenland innerhalb der Eurozone zu wissen“, so Paqué bei seinen einleitenden Worten. „Dies ist nicht unmöglich, da das Land viele Voraussetzungen für eine stabile Volkswirtschaft mitbringt.“ Es sei daher umso bedauerlicher, dass die griechische Politik in Vergangenheit zu viele Fehlanreize gesetzt habe.

FPG_9662Dennoch zeichnete Paqué ein optimistisches Bild für die Zukunft Griechenlands: „Von einem ökonomischen Standpunkt aus befindet sich Griechenland in einer ‚Post-Austeritätsphase‘, in der alle Kostenblasen des vorherigen Jahrzehnts – teilweise sogar über Gebühr – abgebaut wurden“, so der Ökonom. Dabei sei das Bruttoinlandsprodukt um rund ein Viertel zurückgegangen, insbesondere in denjenigen Wirtschaftsbereichen, die die schuldenbasierte private und öffentliche Nachfrage bedient hätten.

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Der renommierte griechische Ökonom und Autor Aristos Doxiadis pflichtete ihm bei: Es sei nun enorm wichtig, die Exportorientierung der griechischen Wirtschaft zu fördern. Die inländische Nachfrage wäre nie das Problem Griechenlands gewesen, auch wenn sie während der Krise stark zurückgegangen sei. Die Neuausrichtung der griechischen Wirtschaft erfordere „einen fundamentalen Strukturwandel weg von einer inländischen Orientierung hin zur Stärkung des Außenhandels“. Hiervon müsse nach wie vor sowohl die griechische Bevölkerung als auch die griechische Politik überzeugt werden.

Der konservative Parlamentsabgeordnete Kostis Hatzidakis, in der Vorgängerregierung Minister für Infrastruktur, sowie der Politische Geschäftsführer der reformorientierten Partei „To Potami“ Panagiotis Karkatsoulis bestätigten die volkswirtschaftliche Analyse und die  Handlungsempfehlungen, die aus der deutsch-griechischen Wachstumsagenda resultierten.

Wie muss eine Reformagenda, die von den Griechen mitgetragen wird, aussehen?

FPG_9797Hatzidakis erklärte, dass die

Vorgängerregierung unter Antonis Samaras mehr hätte tun können, wies aber auch auf den Schaden hin, den die gegenwärtige links- und rechtspopulistische Regierung allein in diesem Jahr angerichtet hätte.

Anschließend diskutierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Finanzwirtschaft, wie eine politische Reformagenda, die von der griechischen Bevölkerung mitgetragen wird, aussehen müsse. Spiros Pengas, stellvertretender Bürgermeister der nordgriechischen Metropole Thessaloniki führte aus, wie es die dortige Stadtspitze geschafft habe, die lokale Bevölkerung von einem längst überfälligen Strukturwandel zu überzeugen: „Wir haben klar und deutlich unsere Pläne kommuniziert, die Hintergründe erläutert und Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen übernommen“, so Pengas.

In einer zweiten Phase hätte die Bevölkerung dann erkannt, dass sich die Anstrengungen gelohnt hätten. Letztlich kamen alle Teilnehmer sowie die rund 120 anwesenden Gäste darin überein, dass nur mit einem offenen und ehrlichen Dialog über die vereinbarten Reformmaßnahmen ein Mentalitäts- und Strukturwandel auch auf nationaler Ebene herbeizuführen sei.

Markus Kaiser, Project Manager Greece
Photos: FNF Greece

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