Ryszard Petru – Der liberale Gegenspieler Kaczynskis

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Source: flickr/drabikpany

Innerhalb weniger Wochen ist in Polen die liberale Partei Nowoczesna (Die Moderne) zur stärksten Oppositionskraft aufgestiegen. Zu verdanken hat sie das nicht nur dem schnellen Popularitätsverlust der allein regierenden nationalkonservativen PiS (Recht und Gerechtigkeit) von Jaroslaw Kaczynski, sondern vor allem ihrem charismatischen Parteichef Ryszard Petru, der erst im Mai 2015 mit der Gründung von Nowoczesna politisch aktiv wurde. Mittlerweile ist Petru wichtigster Gegenspieler des PiS-Vorsitzenden Kaczynski geworden, der in Polen alle Zügel in der Hand hält.   

Vor seinen politischen Aktivitäten war Ryszard Petru in Polen landesweit vor allem als Finanzfachmann bekannt. Noch heute erinnert sein Auftreten und Image an dieses Berufsbild – immer im dezenten Anzug, immer höflich und zuvorkommend. Doch medienscheu war der 43-Jährige noch nie, was er bereits im Zeitraum 1997-2000 als Berater des erfolgreichen Wirtschaftsreformers Leszek Balcerowicz und später als Vorsitzender des Vereins der polnischen Wirtschaftswissenschaftler unter Beweis stellte. In der Zwischenzeit war Petru Dozent an der renommierten Handelshochschule SGH in Warschau, arbeitete als Ökonom in der Weltbank, danach in Leitungspositionen in mehreren polnischen Bankhäusern. Immer war der stets gut gelaunte Wissenschaftler ein gern gesehener Gast bei Diskussionen über Wirtschaftsfragen in den Medien. Doch heute versucht sich Petru auch als Volksredner, ein bisschen unbeholfen zwar noch, aber mit Erfolg. Populär ist der Nowoczesna-Chef nach Meinung polnischer Politologen aber vor allem, weil er seine Partei als kompetente Alternative zur Regierung präsentieren kann, deren Leistung Petru an ihren Versprechen misst. Und da ist das Fazit bislang dürftig.

Ryszard Petru - der liberale Gegenspieler Kaczynskis

Ryszard Petru reagiert zudem schnell auf Kritik und korrigiert Fehler. Nachdem seiner Nowoszesna Anfang Januar vorgeworfen wurde, im Unterschied zu den anderen Parlamentsparteien noch keinen Gesetzentwurf eingereicht zu haben, brachte sie wenig später drei Vorlagen im Sejm ein, darunter eines zur Änderung der Parteienfinanzierung. Die Parteien erhalten nach Ansicht der Liberalen zu viele Mittel aus dem Staatshaushalt, weshalb sie u. a. eine Reduzierung der Unterstützung aus öffentlichen Geldern vorschlagen. Kurz darauf stellte Nowoszesna einen Wirtschaftsplan für Polen vor, der in erster Linie auf die Stabilisierung der öffentlichen Finanzen abzielt. Mittlerweile haben die Liberalen auch ein Expertenteam gebildet,  um fundierte Alternativen zur Regierungspolitik anbieten zu können.

Für den frischen Politiker Petru war es aber nicht nur ein Erfolg, dass seine neue Partei bei den Wahlen Ende Oktober 2015 auf Anhieb ins Parlament gelangte und  29 Abgeordnete im Sejm stellt, sondern auch, dass er Nowoczesna innerhalb weniger Monate zu einer wichtigen Gruppierung aufbauen konnte, die in den Meinungsumfragen knapp hinter der regierenden PiS rangiert. Nun muss der  Parteichef diese Popularität nutzen, um im ganzen Land starke Strukturen aufzubauen. Das soll in den nächsten drei Jahren geschehen.

Petru reitet derzeit auf einer Welle der Popularität und ist fast unaufhörlich in den Medien präsent, und dies nicht nur in Polen. Für einen – wenn auch mit jungenhaftem Charme ausgestatteten – früheren Finanzfachmann ist das eigentlich untypisch. Verschwiegen ist der 43-Jährige aber weiterhin, was sein Privatleben betrifft. Darüber weiß die Öffentlichkeit bislang kaum etwas.

 

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Dr. Borek Severa
Repräsentant der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit für Mitteleuropa und die baltischen Staaten