Demokraten schreiben Geschichte in Philadelphia

Vor acht Jahren schickten die US-amerikanischen Demokraten mit Barack Obama erstmals einen Afro-Amerikaner ins Rennen um das Weiße Haus. 2016 schreiben sie erneut Geschichte, indem erstmals mit Hillary Clinton eine Frau als Präsidentschaftskandidatin nominiert wurde. Dabei versammelte sich die Partei  – anders als die Republikaner vor einer Woche – geschlossen hinter ihrer Kandidatin und ihrer Botschaft „stronger together“.

Ein schärferes Kontrastprogramm als #DemsinPhilly gegen #RNCinCLE hätte es nicht geben können. Zeigten sich die Republikaner vor einer Woche in Cleveland bis zum Ende des Parteitags zerstritten – Senator Ted Cruz versagte dem Kandidaten Trump sogar auf offener Bühne seine Unterstützung – so zeigten sich die Demokraten geeint. Senator Bernie Sanders forderte seine Unterstützer auf, sich hinter Hillary Clinton zu stellen. Während eine Vielzahl prominenter Republikaner gar nicht erst zum Parteitag angereist war, erhielt Hillary Clinton die breite Unterstützung aller Demokraten, bis hin zum amtierenden Präsidenten Barack Obama, der sie in einer begeisternden Rede als die qualifizierteste Kandidatin bezeichnete, die jemals angetreten sei, das Weiße Haus zu erobern.

Darüber hinaus war besonders frappierend der Blick in die Gesichter der Delegierten und Parteitagsbesucher: In Cleveland war das „weiße Amerika“ zu sehen, in Philadelphia dagegen die ganze Vielfalt des Landes versammelt.

DNC

Hillary Clintons zentrale Botschaft heißt „stronger together“, gemeinsam sind wir stärker. Dem fast schon egomanischen Trump’schen „only I can fix it“  stellte sie das amerikanische „we’ll fix it together“  – wir packen das gemeinsam an – gegenüber. Während Trump vor einer Woche Ängste schürte und ein düsteres Bild von der Zukunft zeichnete, appellierte Clinton an das traditionelle amerikanisch-optimistische Lebensgefühl: wir finden immer einen Weg, die Zukunft besser zu machen. Ihr Programm ist dabei ein durch und durch sozialdemokratisches: höhere Steuern für die Reichen, höherer Mindestlohn, Abschaffung der Studiengebühren, Subventionierung der Stahlindustrie, Skepsis gegenüber Handelsabkommen u.v.m.

Auffallend war, wie sehr sich die Demokraten als die „echten Patrioten“ präsentierten, den engen Schulterschluss zu den Streitkräften und Veteranen suchten und ein klares Bekenntnis zu den internationalen Verpflichtungen und den NATO-Verbündeten abgaben. In einem der bewegendsten Auftritte ging der Vater eines gefallenen muslimischen Kriegshelden Donald Trump frontal an: Wer sei Donald Trump, dass er Muslime aus dem Land verbannen wolle. Ob Trump jemals die Verfassung gelesen, jemals den Soldatenfriedhof Arlington besucht habe. Trump habe doch noch nichts und niemanden (für die Vereinigten Staaten) geopfert.

Die Demokraten zeigten ein Bild der Ge- und Entschlossenheit. Teilweise Proteste am Rande waren eher „Occupy Wall Street“-Aktivisten, als Sanders-Unterstützern zuzuschreiben. Dass die Parteivorsitzende zu Beginn des Parteitags ihren Rücktritt erklären musste, als durch gehakte Emails belegt wurde, dass die Parteigeschäftsstelle Partei gegen Sanders ergriffen hatte, war schnell vergessen. Vertreter aller Bevölkerungsgruppen und Minderheiten kamen auf dem Parteitag zu Wort. Alle zeichneten ein klares Bild von der Kandidatin Hillary Clinton: Sie hört zu, sie versteht und fühlt mit, sie kümmert sich um jeden und findet eine Lösung. Hillary Clinton selbst war optimistisch, zukunftsgewandt und zupackend.

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Die ersten Reaktionen auf die Rede zeigen, dass sie nicht nur in der Parteitagsarena, sondern auch bei den Zuschauern gut aufgenommen wurde, besser als Trumps Rede vor einer Woche. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Anti-Establishment-Stimmung die Oberhand gewinnt oder ob Hillary Clinton und die Demokraten ihre Unterstützer vor Ort am besten mobilisieren können und am Ende tatsächlich die erste Präsidentin ins Weiße Haus einzieht.

Herr Stein

Hans H. Stein leitet den Europäischen und Transatlantischen Dialog der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.