Europaquoten für TV und Videoplattformen? Liberale kämpfen für moderne EU-Regeln im Zeitalter der Medienkonvergenz

 

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Wer hätte 2010 ahnen können, dass Kevin Spacey einmal ins Weiße Haus einziehen würde? 2016 ist das für viele Fans der Serie „House of Cards“ eine Selbstverständlichkeit. Dabei war die Serie über den machtsüchtigen Politiker explizit für die Video-on-Demand-Plattform (VoD) Netflix konzipiert und lief – mit Ausnahme des deutschsprachigen Raums – nie im Fernsehen. Nur wenige Jahre nach dem Aufkommen von Smartphones schauen wir wie selbstverständlich Videos in der U-Bahn oder am Strand. Und auch am klassischen Fernsehen ist die digitale Revolution nicht spurlos vorbeigegangen. Mit neuen Online- oder Bezahlformaten bieten sie Alternativen zum traditionell linearen Programm im TV.

 

Ein Update für die EU-Gesetze

Wie so oft wenn es um digitalen Fortschritt geht, hinkt die Gesetzgebung den digitalen Innovationen hinterher. Zum letzten Mal wurden die EU-Gesetze für audiovisuelle Medien im Jahr 2010 rundum erneuert. Höchste Zeit für ein Update! Vor allem geht es darum, geltendes Recht an die veränderten Geschäftsmodelle und Player im Markt anzupassen. Das ist schwierig, ändert sich doch regelmäßig, wie, wo, wann und was wir konsumieren.

Ein Kommissionsvorschlag versucht nun, die Herausforderungen anzugehen und erneuert dabei den Schutz eines wichtigen Grundprinzips der audiovisuellen Rechtslandschaft: das Herkunftslandprinzip. Demnach kann ein Anbieter, wenn er alle gesetzlichen Regelungen im Land seines EU-Hauptsitzes erfüllt, in allen anderen EU-Märkten tätig werden. Das ist eine wichtige Basis nicht nur für die Player von heute, sondern auch um die Verbreitung neuer Technologien zu ermöglichen.

 

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Europaquoten für Netflix?

Doch manche Vorschläge aus dem Kommissionsentwurf erregen den Unmut der estnischen Europaabgeordneten Yana Toom, die für die europäischen Liberalen den Gesetzgebungsvorschlag begleitet. Ein Dorn im Auge sind ihr die neue Quoten-Regelungen für VoD-Plattformen. So sollen in den Katalog von Plattformen wie Netflix mindestens 20 Prozent europäische Inhalte eingespeist werden – mit „prominenter“ Platzierung. Dies würde dazu führen, dass „europäischer Quatsch produziert wird, um die Quoten zu erfüllen“, sagt Toom. Und überhaupt: wie definiert man „hervorgehoben“, wenn sich die Benutzermaske ständig an neue technologische Möglichkeiten anpasst?

Dabei haben Konsumenten auf Videoplattformen ohnehin eine größere Kontrolle darüber, was sie sehen wollen. Sie geben Bewertungen und Empfehlungen ab oder suchen sich einen anderen Anbieter, wenn sie nicht die Inhalte finden, die sie interessieren. Abgesehen davon investieren viele Plattformen ohnehin in europäische Inhalte oder zeigen erfolgreiche Formate wie etwa die preisgekrönte Serie „Downton Abbey“ – weil der User es so will.

Die Debatte um das gesetzliche Update für die audiovisuellen Medien wird weitergehen. Am 19.10. lief die Frist für Änderungsanträge im Europäischen Parlament aus, im Januar werden die Abgeordneten abstimmen. Schließlich müssen auch noch die Mitgliedstaaten im Rat entscheiden; vor allem hier sitzen die Quoten-Befürworter. Aber wer weiß, welches Gerät wir bis dahin nutzen und was der nächste Online-Hit ist. Vielleicht eine Netflix-Produktion über Christoph Waltz als intriganter EU-Kommissionspräsident?  Auch ohne Quoten könnte das der neue Serienliebling werden.

 

 

Caroline Margaux Haury ist europapolitische Referentin im Brüsseler Büro der Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit