„Der weibliche Körper ist ein politisches Kampfgebiet “

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Scharfe Reaktionen kamen von den Liberalen in ganz Europa als Donald Trump – wie andere republikanische Präsidenten vor ihm – gleich zu Beginn seiner Amtszeit die Entwicklungshilfe für Organisationen aussetzte, die Frauen mit Blick auf Abtreibungen beraten oder diese empfehlen. Die Initiative wird etwa von der dänischen Ministerin für Entwicklungszusammenarbeit, Ulla Tørnæs, und dem Belgier Alexander de Croo mit vorangetrieben.

 

Erst Ende letzten Jahres hatte sich auch die polnische liberale Partei Nowoczesna klar gegen eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes ausgesprochen, die von der rechts-konservativen Regierungspartei vorgeschlagen worden war. Zum Internationalen Frauentag sprach Angelika Mlinar, Europaabgeordnete und Expertin für Menschen- und Frauenrechte, über das Recht auf Selbstbestimmung, Frauenrechte und Gleichberechtigung in der EU.   

 

In Polen gingen im letzten Winter zehntausende Frauen auf die Straße, um gegen eine Verschärfung des Abtreibungsgesetzes zu protestieren. In Italien ist es in vielen Landstrichen für Frauen schwer, einen Arzt zu finden, der eine Abtreibung durchführt, obwohl das Gesetz den Eingriff erlaubt. In Malta ist Abtreibung immer noch illegal. Auch mit Blick über den Atlantik: Wo stehen wir, wenn es um das Recht der Frau auf Selbstbestimmung geht? Wie beeinflussen die europäischen Liberalen diese Debatte? 

Leider war und ist der weibliche Körper noch immer ein politisches Kampfgebiet und wird es wohl noch lange bleiben. Und genau das versuche ich als liberale Politikerin zu bekämpfen, denn eines sollte klar sein: Der Körper einer Frau sollte nur ihr gehören und jeder Angriff auf die Rechte von Frauen ist ein Angriff auf die liberale Demokratie und unsere offene Gesellschaft. Frauenrechte sind Menschenrechte und als liberale Europäer sind wir stolz auf diese Werte. Dabei ist es von Bedeutung, auch innerhalb Europas diese Problematik immer wieder klar zu thematisieren. Das Recht der Frau auf Selbstbestimmung ist eine nichtverhandelbare Bedingung für eine freie Gesellschaft.

 

Letzte Woche machte in den Sozialen Medien ein Video Aufruhr, das einen polnischen Europaabgeordneten zeigte, der Frauen das Recht absprach, das gleiche zu verdienen wie Männer. Ein Einzelfall? Wie steht es heutzutage um die Gleichberechtigung der Frauen in der EU?

Leider ist Gleichberechtigung in der EU noch immer Mythos und nicht Realität. Aussagen wie jene letzter Woche führen uns deutlich vor Augen, dass die historisch gewachsenen Rollenbilder noch immer bei vielen Menschen verbreitet sind. Tatsache ist auch, dass bereits viel erreicht wurde. Unterschiede in Bezug auf Gehalt, Karrierechancen und auch Höhe von Pensionen machen jedoch deutlich, dass es auch in der EU noch ein langer Weg zur Gleichberechtigung ist.

 

Der heutige Weltfrauentag steht unter dem Motto “Be bold for change”. In welchen Bereichen müssen wir in Zukunft mutiger sein, um die Gleichberechtigung von Frau und Mann in der EU weiter zu fördern? 

Wir sprechen oft davon, es brauche Mut, seine Überzeugungen in Worte zu fassen und verlautbaren zu können – viel wichtiger aber ist es, zu diesen Überzeugungen auch zu stehen. In diesem Sinne müssen wir die Begriffe von Gleichberechtigung, Feminismus und Gender Equality nicht nur als eloquente Schmuckstücke, sondern als essentielle Bestandteile unseres Alltags, auf politischer wie jeder anderen gesellschaftlichen Ebene, behandeln.

Angefangen bei jungen Frauen und den ihnen gebotenen Möglichkeiten zu Aus- und Weiterbildung sowie Karriere-Förderprogrammen bis hin zur Familienplanung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf – überall hier muss die Chancengleichheit für Männer und Frauen weiter ausgebaut werden. Damit ist der Ausbau von Ausbildungsmöglichkeiten für Frauen genauso gemeint wie die Förderung von geschlechtergleichen Elternzeiten und der Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen.

Ebenso bedarf es im Bereich des Gender Mainstreaming und Gender Equality in der Politik noch viel Arbeit, bis wir Gleichberechtigung nicht mehr als Ziel, sondern als gegebenen Umstand betrachten können.

 

 

 

Mit der European Women’s Academy unterstützt die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zusammen mit dem European Liberal Forum und der ALDE Partei das Streben nach mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Frauen, indem Politikerinnern unterschiedlichster politischer Ebenen darin bestärkt werden, ihren Einfluss in der Politik geltend zu machen.