Vom linearen Wirtschaften zur Circular Economy

 

James Wang
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In Brüssel zogen die Europäische Kommission und das Europäische Parlament eine erste Bilanz zum Aktionsplan „Kreislaufwirtschaft“, den die Kommission im Dezember 2015 vorgelegt hatte.

 

Auf einer vom Europäischen Dialogprogramm der Stiftung für die Freiheit organisierten Diskussionsrunde betonte Fulvia Raffaeli von der Generaldirektion „Wachstum“ der EU-Kommission, dass es der Kommission nicht allein um die Abfallwirtschaft gehe. Vielmehr stehe der komplette Produktlebenszyklus im Fokus, von Produktdesign, Materialbeschaffung, Herstellung und Verbrauch, bis hin zur Entsorgung, aber auch dem Markt für Sekundärrohstoffe. Die deutsche liberale Europaabgeordnete Gesine Meißner hatte den umfassenden Vorschlag der Kommission zum Ausbau der Kreislaufwirtschaft in der Vergangenheit begrüßt. Ihr niederländischer liberaler Kollege Gerben-Jan Gerbrandy betonte, dass die Zeit des „linearen Wirtschaftens: produzieren, verbrauchen, wegschmeißen“ vorbei sei. Im Zentrum müsse die Verbesserung der Produktivität aller Ressourcen stehen. Dies gebiete schon die wirtschaftliche Vernunft, habe aber auch nachhaltige Effekte zur Schonung der Umwelt. Er begrüßte gemeinsame europäische Zielvorgaben als Anreiz und Motivation. Sicher seien Umstellungen bei Produzenten und Verbrauchern erforderlich; am Ende aber werde Europa nicht nur unabhängiger von knappen Ressourcen, sondern auch die europäische Wettbewerbsfähigkeit werde steigen.

 

Eigenverantwortung stärken

Die Chancen für die Europäische Wirtschaft unterstrich auch Joachim Quoden. Er vertritt Unternehmen und Organisationen, die sich zu einer umfassenden Verantwortung der Produzenten bekennen (Extended Producer Responsibility). So haften die Hersteller für das Sammeln und Zurücknehmen von Waren und deren Recycling. Die Eigenverantwortung der Produzenten über den Verbleib der Abfälle, sei ein effizienter Weg in der Abfallwirtschaft und sowohl überregulierten staatlichen Wegen als auch einer rein marktbasierten Lösung überlegen, so Ales Rod vom tschechischen Centre for Economic and Market Analysis. Wichtig sei es, dass die Mitgliedstaaten der EU hier an einem Strang ziehen und den Empfehlungen der Kommission und des Europäischen Parlaments folgten. Hier müsse ein Umdenken erfolgen, konstatierte aber Joachim Quoden von EXPRA.

Die Diskussion zum Thema „Kreislaufwirtschaft“ geht weit über das der richtigen Abfallverwertung hinaus. Die Verwertbarkeits- und Nachhaltigkeitsfrage betreffen die Abhängigkeit von knappen Ressourcen, Mobilität, Energie und den globalen Handel. Die Frage, ob der Wandel zur Kreislaufwirtschaft eines der nächsten großen europäischen Projekte ist, ist mit einem klaren ‚ja‘ zu beantworten: Die EU ist – auch hier – in einem unaufhaltsamen Veränderungsprozess.

 

 

Daniela Oberstein ist Programme Manager / Media Officer beim Europäischen Dialogprogramm der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Brüssel.