France election: low turnout but clear victory for Macron’s party

tamadhanaval
Source: flickr.com/tamadhanaval_CC_BY_2.0

With more than 30% of the votes, Emmanuel Macron’s La République en Marche new political movement secured a clear victory for the first round of the legislative election and may win the absolute majority in one week. But barely one in two voters went to the ballot box, a historical low.

 

According to the first results, La République en Marche and the centrists got 32% of the votes; The Republicans and the centre-right 21.2%; the hard left 11%; the hard right 13% and the Socialists and centre-left 9%.

The La République en Marche result is even better than the 24% M. Macron got in the first round of the presidential election. Better still, because of the majority rule, the prospect of a clear majority is confirmed: the La République en Marche candidates, often unknown less than three months ago, should win between 390 and 450 MP seats – the absolute majority being at 289 seats.

The centre-right is far behind but its result is stable compared to François Fillon’s in the presidential election first round (20%) and can expect between 75 and 125 MPs.

Jean-Luc Mélenchon’s hard left falls from 19.6% in the presidential first round to 11%: one third of its political market share just vanished. The hard left could secure from 10 to 20 seats.

The National Front not only cannot claim to be “the first party in France” but is downgraded to fourth place – a radical change after Marine Le Pen’s qualification in the presidential runoff (with 21.3% of the votes at the time). The hard right can expect to get from 1 to 10 MPs.

As for the Socialist Party, its debacle is stable and it can expect to get from 20 to 40 MPs.

 

What happened?

Since his victory in May, M. Macron has translated his campaign promises into action to maintain the momentum of the presidential run: he made sure to enhance the symbolic function of the president, mainly by standing up to the US and the country’s new government draw heavily from civil society. This way, he proved to his electorate he was starting to deliver the promised change. In return, his voters kept being mobilized for the first round of the legislative election.

By appointing a prime minister from the centre-right M. Macron seduced the The Republicans voters. And by sending his best candidates against the Socialist Party headliners he destabilized the centre-left voters. The pledges by many Republicans and Socialists parliamentary candidates looking to take advantage of the new president’s popularity to “work with the new majority” made the campaign unusual and rather confusing.

Added to this is was a diffuse popular feeling of benevolence towards M. Macron: the French simply want to give a chance to the new team.

Finally, M. Macron tackled the issues where a political consensus exists (labour law reform, more transparency in the political life, security) and kept silent or vague on the others.

Because his main political opponents had virtually nothing to criticize since his presidential victory, their purposes vanished and their electorates stayed at home for the first round of the parliamentary election.

Mobilizing one’s voters while demobilizing one’s opponents’ explains La République en Marche’s 30% victory. Together, the thirst for consensus, and the electoral confusion and weariness pushed only the most motivated voters to go to the ballot box.

 

What does the low turnout mean?

Over the last twenty years, the electoral turnout in the parliamentary elections has steadily declined. From 80% in 1958-1986, it became 67.9% in 1997 and the decline increased when the legislative election became an echo of the presidential one in 2002 with the introduction of the 5-year presidential mandate.

A 50% abstention rate has contributed to making La République en Marche stronger and to weaken not one but four divided oppositions. But what will this unprecedented abstention be the seed of in the future?

Will it be a lack of enthusiasm for the new president, fatalism, or – more worryingly – the politically-charged sentiment by some categories of the population not to be part of this new chapter?

Macron is well set to win his first battle. But will he win the war?

 


 

 

Mit mehr als 30% der Stimmen hat Emmanuel Macrons neue politische Bewegung ‚La Republique en Marche‘ (LReM) einen klaren Sieg in der ersten Runde der französischen Parlamentswahlen erreicht und darf im zweiten Wahlgang auf eine absolute Mehrheit hoffen. Die Wahlbeteiligung war jedoch historisch niedrig, nicht einmal jeder zweite Wahlberechtigte gab seine Stimme ab. Nach den ersten Auszählungen erreichen LReM und die zentristische ‚Mouvement Démocrate‘ (MoDem) 32% der Stimmen; die konservativen Republikaner (LR) und die Mitte-rechts orientierte ‚Union des démocrates et indépendants‘ (UDI) 21,5%; der rechtsextreme ‚Front National‘ (FN) 13%, das linksextreme Bündnis um die Partei ‚La France Insoumise‘ (LFI) 11% und die sozialdemokratische ‚Parti Socialiste‘ (PS) 9,5%.

 

Das Ergebnis von LReM ist noch eine Steigerung zu den 24%, die Macron in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl erhielt. Wegen des Mehrheitswahlsystems darf die Partei im zweiten Wahlgang auf eine absolute Mehrheit hoffen. Die Kandidaten von LReM, von denen die meisten vor weniger als drei Monaten noch völlig unbekannt waren, werden zwischen 390 und 450 Sitze im Parlament gewinnen. Für eine absolute Mehrheit in der französischen Nationalversammlung werden 289 Sitze benötigt.

Das Bündnis der Republikaner und der zentristischen UDI, die eine ALDE-Mitgliedspartei ist, liegt weit hinter LReM. Ihr Ergebnis entspricht allerdings dem von François Fillon, welcher in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl knapp 20% erreichte. Die Konservativen dürften also zwischen 75 und 125 Sitze im Parlament erwarten.

Jean-Luc Mélenchons linksextreme LFI erreichte in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl noch 19,6%. Seine Partei verlor fast ein Drittel der Stimmen und erreichte in der Parlamentswahl nur noch 11%. Die extremen Linken können mit 10 bis 20 Sitzen im neuen Parlament rechnen. Der FN rangiert auf dem dritten Platz und verfehlt seinen Anspruch “die erste Partei in Frankreich” zu werden. Das ist eine herbe Enttäuschung für Marine Le Pen, die im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahl noch 21,3% der Stimmen erhalten hatte. Ihre Partei kann magere 1 bis 10 Sitze erwarten.

Das Debakel der Regierungspartei des ausgeschiedenen Präsidenten Hollande, der PS, hält an. Sie wird nur noch 20 bis 40 Mandate im neuen Parlament erhalten.

 

Was ist geschehen?

Seit seinem Sieg im Mai hat Emmanuel Macron erste deutliche Zeichen gesetzt, um die Dynamik seiner Präsidentschaftskampagne aufrechtzuerhalten: Er stärkte die symbolische Macht des Präsidenten, vor allem durch sein selbstbewusstes Auftreten gegenüber dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und besetze viele Posten in seiner Regierung mit Akteuren aus der Zivilgesellschaft des Landes. Auf diese Weise vermittelte er seiner Wählerschaft glaubhaft, dass er die versprochenen Reformen tatsächlich umsetzen wolle. Seine Wähler haben sich daher in der ersten Runde der Parlamentswahl erneut für ihn mobilisiert.

Durch die Ernennung eines Premierministers aus dem Lager der Republikaner machte Präsident Macron sich darüber hinaus auch für die konservative Wählerschaft attraktiv. Indem er seine besten Kandidaten gegen die Führungsfiguren der Sozialisten antreten ließ, destabilisierte er deren Wählerschaft. Das Versprechen vieler republikanischer und sozialdemokratischer Kandidaten, mit dem neuen Präsidenten zusammenarbeiten zu wollen, machte den Wahlkampf ungewöhnlich und von außen betrachtet sehr verwirrend. Verstärkt wurde die Unterstützung für Macron durch ein breites und diffuses Sympathiegefühl: Die Franzosen wollen dem neuen Team einfach eine Chance geben.

Des Weiteren geht Macron bewusst Themen an, bei denen es einen breiten politischen Konsens gibt (Arbeitsmarktreform, Innenpolitik, Transparenz in der Politik) und bleibt bei anderen Themen vage und zurückhaltend. Weil seine politischen Kontrahenten seit der Präsidentschaftswahl buchstäblich nichts zu kritisieren hatten, lösten sich ihre politischen Agenden auf und ihre Wähler blieben bei dieser ersten Runde der Parlamentswahl zuhause.

Die Mobilisierung der eigenen Wähler bei gleichzeitiger Demobilisierung der Wähler des Gegners erklärt den Erfolg der LReM. Der Wunsch nach Veränderung bei gleichzeitiger Verunsicherung und Verwirrung trieb allerdings nur die überzeugtesten Wähler zur Urne.

 

Was bedeutet die niedrige Wahlbeteiligung?

In den letzten zwanzig Jahren ist die Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen stetig zurückgegangen. Von 80% in den Jahren 1958-1986 sank sie zunächst auf 67,9% im Jahr 1997. Seitdem die Parlamentswahlen immer im Nachklang der Präsidentschaftswahlen stattfinden (seit 2002), nahmen weniger als 60% der Wahlberechtigten den Weg zur Urne auf sich. Die jetzige historisch hohe Enthaltungsquote von über 50% hat dazu beigetragen, die LReM zu stärken und nicht nur eine, sondern vier Oppositionen zu schwächen. Die niedrige Wahlbeteiligung wirft jedoch auch Fragen auf: Wird diese nie dagewesene Enthaltungsrate anhalten? Könnte sie gegebenenfalls zu einem Mangel an Begeisterung für den neuen Präsidenten führen, zu Fatalismus – oder noch schlimmer, zu dem Gefühl mancher Bevölkerungsgruppen, überhaupt nicht Teil dieses neuen Kapitels zu sein?

Emmanuel Macron ist auf dem besten Wege, eine weitere wichtige Schlacht zu gewinnen. Den Krieg hat er allerdings noch nicht gewonnen.

 

 

 

guillaumeGuillaume Périgois ist Journalist und Berater bei der Nachrichtenplattform Contrepoints.