Politisches Spektakel „à la belge“

Maelik - Mons, Belgium
Source: flickr.com/Maelick_CC_BY SA 2.0

Spätestens seit dem letzten Herbst kennt man auch außerhalb Belgiens die Region Wallonie und weiß, dass sie durchaus für politische Spektakel zu haben ist. Damals hielt der Premierminister, Paul Magnette, Europa und Kanada in Atem, als er vorübergehend das Freihandelsabkommen CETA blockierte. Nur einige Monate später, im Juli 2017, musste er nun seinen Hut nehmen. Mit CETA hat das allerdings nichts zu tun. Vielmehr stolperte seine sozialistische Partei (PS) nach mehr als dreißig Jahren in der Regierung über die PS-Müdigkeit der Wallonen und skandalöse Verflechtungen der Partei mit kommunalen Unternehmen. Als unerwarteter Gewinner geht das liberale Mouvement Réformateur (MR) aus diesem Spektakel hervor, die Partei von Belgiens Regierungschef Charles Michel. Denn das MR übernimmt nun zusammen mit den Zentrumsdemokraten die Führungsrolle in der Region Wallonie.

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Belgium: Kingdom of Comics

Why did we choose the medium of comics, for our Animate Europe competition (currently running in its third round)? Why not movies or caricatures or something else entirely? It might have to do with the fact that we’re right in the heart of comic country Belgium. Willem de Graeve, Director of the Belgian Comic Strip Center  and jury member in our first two Animate Europe competition rounds, gives us some insights into why the “ninth art” is so popular in Belgium.

With more than 700 professional comic strip authors, Belgium has more comic strip artists per square kilometer than any other country in the world. It is in this country where comic strips have grown from a popular medium into an art in its own right. Nowhere else are comics so deeply rooted in everyday life and in peoples’ imagination.
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Standort Terror: Warum Belgien? 

Polizeistelle im Problemviertel Molenbeek, umgeben von Stacheldraht.
Polizeistelle im Problemviertel Molenbeek, umgeben von Stacheldraht. Copyright: Andrea Kaiser

Die mörderischen Anschläge von Paris wurden offenbar nicht in Frankreich, sondern im Großraum Brüssel logistisch vorbereitet. Als Schlüsselfigur kristallisiert sich der gebürtige Molenbeeker Abdelhamid Abaaoud heraus, der der Brüsseler Polizei bereits 2011 gemeinsam mit dem in Paris getöteten Attentäter Brahim Abdeslam aufgefallen war. Abaaoud gilt auch als Kopf der Terrorzelle im belgischen Verviers, die im Januar nach den tödlichen Angriffen auf die französische Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” ausgehoben wurde. Dabei wurden zwei potenzielle, aus Molenbeek stammende Attentäter inmitten ihres Waffenarsenals getötet. Abaaoud konnte wahrscheinlich nach Syrien entkommen.

Auch zwei weitere Terrorakte wurden zuletzt von Belgien aus organisiert: Im Jahr 2014 griff der französische Islamist Mehdi Nemmouche das Jüdische Museum in Brüssel an; vier Personen kamen dabei ums Leben. Es stellte sich heraus, dass der Täter den Angriff von seiner Molenbeeker Wohnung aus geplant hatte. Und der Ende August im Thalys überwältigte Attentäter stieg in Brüssel in den Zug Richtung Paris.

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Belgien wählt – auf allen Ebenen

Am 25. Mai findet der größte Wahltag in der Geschichte Belgiens statt: Europaparlament, belgische Abgeordnetenkammer und die regionalen Parlamente Flanderns, der Wallonie, Brüssels und der deutschsprachigen Gemeinschaft. Sozialisten, Liberale und flämische Nationalisten beherrschen das Feld.    

Foto1Aus politisch-institutioneller Sicht ist Belgien einzigartig in der Europäischen Union. Im Zuge von mittlerweile sechs Staatsreformen wandelte es sich zu einem Bundesstaat, in dem die drei Regionen (Flandern, Wallonie und Brüssel-Hauptstadt) sowie die drei Sprachgemeinschaften (flämisch, französisch und deutsch) zunehmend an Kompetenzen gewonnen haben – zu Lasten der nationalen Ebene. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es keine nationalen Parteien mehr, sondern jeweils flämisch- und französischsprachige Liberale, Konservative, Sozialisten, etc.. Mitglieder der europäischen Liberalen in der ALDE Partei sind dementsprechend sowohl die flämisch-sprachige Open VLD als auch die französisch-sprachige Mouvement Réformateur.

Umfragen sagen voraus, dass in Flandern die nationalistische N-VA als große Gewinnerin dieses drei-fachen Wahlganges hervorgehen wird. In der Wallonie liegen die sozialdemokratische Parti Socialiste (PS) und die liberale Mouvement Réformateur mit jeweils 28,9% und 23,3% der Stimmen in Führung. Continue reading