Alles im Wandel: Wie finanzieren wir Journalismus im digitalen Zeitalter?

flickr/thoroughlyreviewed.com CC by 2.0

Es gehört zum Wesen der Medien, dass sie mit dem Zeitgeist gehen und sich ständig selbst neu erfinden. Seit der ersten Zeitung – der im 17. Jahrhundert erschienenen „Relation“ – bis zur Nachrichten-App von heute ist viel geschehen: Formate, Geräte, technische Innovationen, Herausforderungen und Chancen für die Medien kamen und gingen. Warum erscheint uns die Digitalisierung also als besonders bahnbrechend, als wegweisend und schicksalsentscheidend für die Medienlandschaft und den Journalismus?       Continue reading

„Digital pur“ in der EU

Jüri Ratas_EU2017EE
Estonian Prime Minister Jüri Ratas. Source: flickr.com/EU2017EE_Estonian_Presidency_CC_BY_2.0

 

 

Erst vor zwei Wochen wurde die EU Opfer eines großen Cyberangriffs – zumindest theoretisch. Denn beim Treffen der Verteidigungsminister in der estnischen Hauptstadt Tallin probten die Minister den Ernstfall und nahmen an einer Übung zur Abwehr eines großangelegten Cyber-Angriffs auf die EU teil, die erste Übung dieser Art. Kein Wunder, dass Estland, das digitale Wunderkind der EU, seine digitale Kompetenz auch zum Leitmotiv der rotierenden EU-Ratspräsidentschaft gemacht hat.

Continue reading

Digitalisierung der Schule in Norwegen – auf die Kommunen kommt es an

Norwegen als Vorreiter für die Digitalisierung des Schulunterrichts? Welche Erfahrungen machen die Norweger mit der Digitalisierungswelle? Wie ermöglicht man Lehrerinnen und Lehrern Prozess und Inhalte mitzugestalten? Der europapolitische Referent der Stiftung für die Freiheit in Brüssel Håvard Sandvik sprach hierüber mit Iselin Nybø, der schulpolitischen Sprecherin der liberalen Venstre im Norwegischen Parlament.

Continue reading

Ökonomische Bildung: Digital Best Practice aus Litauen

In der Schule wird das Fach Wirtschaft häufig auf Zahlen und abstrakte Formeln reduziert. Kein Wunder, dass hierdurch viele Schüler abgeschreckt werden, das Fach zu wählen. Grundwissen im Wirtschafts- und Finanzbereich ist unter Schülern an weiterführenden Schulen im postkommunistischen Raum wenig verbreitet. Gibt es Gerechtigkeit im Steuersystem? Ist ein progressives Steuersystem fairer als eine „flat tax“? Ein Projekt des renommierten liberalen Think-Tanks Lithuanian Free Market Institute (LFMI) mit Sitz in Vilnius zeigt, dass das Stellen provokanter Fragen und die Einbeziehung digitaler Medien überraschende Erfolge erzielen kann.

Das Fach Wirtschaft ist für Schüler der 9. bis 10. Klasse in Litauen obligatorisch. Trotzdem gab es einen Mangel an Lehrern, Materialien und passenden Vermittlungswerkzeugen für dieses Unterrichtsfach. Aus diesem Grund reifte im LFMI eine Idee, wie diese unbefriedigende Situation zu ändern wäre. 2012 startete das LFMI das Bildungsprojekt „Economics in 31 Hours“ mit dem Ziel, ein Lehrbuch neuester Generation für litauische Schüler zu gestalten und interaktives methodisches Material für Ökonomielehrer zu entwickeln. Das LFMI hat mittlerweile über 200 Lehrer aus dem ganzen Land trainiert und ihnen gezeigt, wie ökonomisches Wissen effektiv und spannend vermittelt werden kann. Das Projekt wurde 2015 beendet und verzeichnete einen beispiellosen Erfolg: 40 Prozent aller litauischen Neunt- und Zehntklässler (rund 14.000 Schüler) werden aktuell mithilfe von „Economics in 31 Hours“ unterrichtet – und es werden beständig mehr.

Verbreitung
Die Nutzung von “Economics in 31 Hours” unter Neunt-/Zehntklässlern. Copyright: LFMI

Aktuelle Umfragen unter Lehrern, die „Economics in 31 Hours“ im Unterricht einsetzen, weisen eine 100%ige Weiterempfehlungsquote aus. Fast alle Lehrer stimmten darin überein, dass sich die Qualität der Unterrichtsstunden seit dem Einsatz des Lehrbuchs und der Nutzung der begleitenden digitalen Plattform stark verbessert habe.

Das interaktive Handbuch für die Lehrer umfasst Aufgabenstellungen, Diskussionsideen, Videos, Statistiken, neue Debattenbeiträge und Spiele. Das Handbuch wird regelmäßig aktualisiert und erweitert. Sein Ziel ist es, den Schülern die Ökonomie als wichtigen und unvermeidlichen Bestandteil des eigenen Lebens zu vermitteln, anstatt nur als eine Wissenschaft, die nichts mit der Realität zu tun hat.

Digitale Plattform
Screenshot der digitalen Plattform von               “Economics in 31 Hours”

Es ist daher nicht überraschend, dass das Lehrerhandbuch des LFMI den LOGIN People’s Choice Award 2016 für das beste Online-Bildungstool gewann, mit dem jährlich die innovativsten Leistungen der litauischen Internetcommunity ausgezeichnet werden. Das LFMI setzte sich damit gegenüber 34 Mitbewerbern durch und ging gegen Ende des Votings deutlich gegenüber dem Zweitplatzierten in Führung.

Žilvinas Šilenas, Direktor des LFMI und einer der Co-Autoren des ausgezeichneten Lehrbuchs, bot an, das gewonnene Know-how bei der Implementierung des Projektes auch zur Nutzung in anderen Ländern zur Verfügung zu stellen. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit wird dieses Angebot ihres Projektpartners gerne annehmen.

Václav Bacovský, FNF Prag

Titelbild Copyright: re:publica/Flickr