Muskelspiele im östlichen Mittelmeer

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Source: flickr.com/Commander, US Naval Forces Europe-Africa/U.S. 6th Fleet_CC0

Griechenland und die Türkei sind keine gewöhnlichen Nachbarn. Geschichte und Politik verwickeln sie in einen fortdauernden Wettbewerb und erneuern auf zynische Weise die Erzählungen von Thucydides und Clausewitz. Die Rivalität datiert bis ins 14. Jahrhundert zurück, als das Ottomanische Reich erstmals Byzanz bedrohte. Heute alarmiert der schwelende Konflikt Brüssel und Washington.

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“Er hat Mazedonien gesagt!”

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Source: CC BY-SA 2.0 commons.wikimedia.org/ George Papadopoulos

 

Die griechische Volksseele kocht. Am Wochenende kochte sie sogar über, als sich rund hunderttausend Griechen in Thessaloniki, der Hauptstadt der griechischen Region Zentralmakedonien, versammelten, um gegen jeden Kompromiss im Namensstreit mit der nördlich gelegenen „Ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien“ (engl. FYROM) zu demonstrieren. Zwar ist es das souveräne Recht eines jeden Staates, sich einen Namen zu geben, doch behält sich Griechenland seinerseits das Recht vor, den Beitritt der Republik Mazedonien zur Europäischen Union und zur NATO so lange zu boykottieren, bis eine gütliche Einigung zwischen beiden Ländern gefunden ist.

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Sommer, Sonne, Sonderfall

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Source: flickr.com/Bruce_Harlick_CC BY 2.0

Die griechische Tourismusbranche jubelt über Rekordumsätze. Mit 30 Millionen Urlaubern wird in diesem Jahr gerechnet – fast dreimal so viele Menschen, wie Griechenland Einwohner hat. Ist der Jubel gerechtfertigt? Wohl eher nicht, denn der Run auf Griechenland beruht weniger auf modernen, fortschrittlichen Tourismuskonzepten, sondern ist vielmehr der Instabilität vieler Mittelmeeranrainer geschuldet. Insbesondere die Türkei fällt aus politischen Gründen in diesem Sommer für viele Urlauber als Destination aus.

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FNF Greece: Ziemlich beste Freunde

Erst vor zwei Monaten trafen sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und sein griechischer Amtskollege Prokopis Pavlopoulos anlässlich der Documenta-Eröffnung in Athen. Der am Freitag anstehende Gegenbesuch zur Ausstellungseröffnung in Kassel fällt in eine kritische Zeit: Griechenland geht das Geld aus – und Deutschland stellt sich quer.

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Declan Costellos Wort hat Gewicht. Seit Jahren befasst sich der Spitzenbeamte der Generaldirektion „Wirtschaft und Finanzen“ der Europäischen Kommission mit Griechenland, war mehrere Jahre Repräsentant der von den Griechen verachteten „Troika“ in Athen. Auch wenn der Technokrat außerhalb von Brüssels Finanzzirkeln kaum bekannt ist, wird seine Meinung von EU-Kommission und nationalen Finanzministern gleichermaßen geschätzt. Continue reading

FNF Greece: The Greek government is running out of time, again

by Nicos Rompapas, Executive Director KEFIM-Markos Dragoumis

Negotiations between the Greek government and its creditors remain in a stalemate, but time is running out. For months members of the government have been stating that Greece has fulfilled its commitments for the second compliance review of reforms and economic progress and that just a few issues remain open. But last week Bloomberg published a leaked letter signed by the Greek Minister of Finance Euclid Tsakalotos stating that just a third of the required measures have been passed, another third is in the process of being passed and the last and most challenging third is still under discussion. Continue reading

Das kleine Zypern als Spielball großer Interessen

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In Genf finden gegenwärtig Verhandlungen über die Wiedervereinigung Zyperns statt. Politiker aller Seiten werden nicht müde zu betonen, dass es „eine historische Gelegenheit“ sei, den Zypernkonflikt ein für alle Mal zu lösen. Doch derartige Gelegenheiten gab es schon öfters, und immer sind sie gescheitert.

Geradezu euphorisch schien der zuletzt arg gebeutelte EU-Kommissionspräsident zu sein: Alle Zyprer seien EU-Bürger, ließ Jean-Claude Juncker in Genf verlautbaren, was offiziell gar nicht stimmt, da der Acquis Communautaire, also die Gesamtheit des gültigen EU-Rechts, nur für den Teil Zyperns gilt, „der faktisch der Kontrolle der Regierung der Republik Zypern unterliegt“. Konkret bedeutet dies, dass türkischen Zyprern die Unionsbürgerschaft versagt bleibt, obwohl völkerrechtlich die gesamte Mittelmeerinsel, auf der rund eine Million Menschen leben, zur Europäischen Union gehört. Continue reading